Die Arbeiten von Dr. Ernst Wolowicz verbinden Politikwissenschaft, politische Ökonomie, historische Parteienforschung und kommunalpolitische Analyse. Ein gegenwärtiger Schwerpunkt liegt auf dem Wandel von Parteien und Parteiensystemen, gesellschaftlichen Milieus und politischen Repräsentationsverhältnissen. Dabei bilden Antonio Gramscis Begriffe von Hegemonie, historischem Block und organischer Krise einen wichtigen theoretischen Bezugspunkt. Weitere Schwerpunkte sind die Geschichte der Sozialdemokratie und Arbeiterbewegung, die politische Ökonomie von Arbeit, Sozialstaat und wirtschaftlicher Transformation sowie Fragen kommunaler Handlungsfähigkeit und öffentlicher Daseinsvorsorge. München und Bayern bilden dabei zentrale empirische Untersuchungsräume. Verbindendes Interesse ist die Frage, wie ökonomischer und sozialstruktureller Wandel gesellschaftliche Interessen, politische Bindungen, Machtverhältnisse und Formen politischer Repräsentation verändert.
Parteien, Hegemonie & gesellschaftlicher Wandel
Im Mittelpunkt stehen der Wandel von Parteien und Parteiensystemen, die Erosion traditioneller politischer Milieus und die Entstehung neuer gesellschaftlicher und politischer Konfliktlinien. Untersucht werden insbesondere die Krise der Sozialdemokratie, die Veränderung der CSU-Dominanz, der Aufstieg von Grünen, Freien Wählern und AfD sowie die zunehmende Pluralisierung politischer Repräsentation. Gramscis Begriffe von Hegemonie, historischem Block, organischer Krise und Gegenhegemonie dienen dabei als theoretischer Rahmen für die Analyse gesellschaftlicher und parteipolitischer Veränderungen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene.
Geschichte der Sozialdemokratie & Arbeiterbewegung
Historische Untersuchungen zur SPD und zur Arbeiterbewegung bilden einen langfristigen Forschungsschwerpunkt. Sie reichen von der Flügelbildung in der SPD und der Linksopposition in der Weimarer Republik bis zu den grundlegenden strategischen Konflikten der Sozialdemokratie zwischen Regierungsverantwortung, gesellschaftlicher Integration, Klassenpolitik und sozialistischer Transformation. Die historischen Arbeiten bilden zugleich einen Hintergrund für die Analyse der gegenwärtigen Krise sozialdemokratischer Parteien.
Politische Ökonomie, Arbeit, Gewerkschaften & Sozialstaat
Ein weiterer Schwerpunkt betrifft das Verhältnis von wirtschaftlicher Entwicklung, sozialer Ungleichheit und politischer Gestaltung. Untersucht werden Nachfrage, Investitionen, Produktivität, Verteilung und Akkumulationsregime ebenso wie alternative keynesianische Wachstums- und Transformationsstrategien. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Lage der Lohnabhängigen, der Rolle von Gewerkschaften, der Entwicklung des Sozialstaats und den sozialen Folgen wirtschaftlicher Krisen und Transformationsprozesse. Hierzu gehören auch Arbeiten über die ökonomischen und sozialen Folgen der deutschen Vereinigung.
Kommunalpolitik, Kommunalfinanzen & öffentliche Daseinsvorsorge
Auf Grundlage langjähriger praktischer Erfahrung in der Münchner Stadtverwaltung befassen sich die Arbeiten mit den finanziellen und institutionellen Voraussetzungen kommunaler Selbstverwaltung. Themen sind insbesondere kommunale Finanzen und Verschuldung, Steuer- und Finanzbeziehungen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden, öffentliche Infrastruktur und Daseinsvorsorge sowie die Handlungsspielräume von Städten unter veränderten wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen.
München und Bayern als politische und gesellschaftliche Untersuchungsräume
München und Bayern bilden wichtige empirische Bezugspunkte der Arbeiten. Untersucht werden Wirtschafts- und Sozialstruktur, kommunale und landespolitische Machtverhältnisse, die Entwicklung von SPD und CSU sowie die zunehmende Pluralisierung der Parteiensysteme. Die Analysen verbinden lokale und regionale Entwicklungen mit übergreifenden Veränderungen von Sozialstruktur, politischen Milieus und hegemonialen Ordnungsmustern.
Weitere gesellschafts- und kommunalpolitische Arbeitsfelder
Weitere Arbeiten befassen sich mit Wohnen, Stadtentwicklung und Bodenpolitik sowie mit Bildungs-, Kultur- und Jugendpolitik. Diese Themen werden insbesondere unter den Gesichtspunkten sozialer Ungleichheit, gesellschaftlicher Teilhabe, kommunaler Gestaltungsmöglichkeiten und der Verteilung ökonomischen, kulturellen und sozialen Kapitals untersucht.